Praxisfall: 13-Wochen-Liquiditätssteuerung bei 1,1 Mio € Verbindlichkeiten
Branche: Maschinenbau-Zulieferer (anonymisiert) · Rechtsform: GmbH · Mitarbeiter: 24 · Umsatz: ca. 5,2 Mio € · Verbindlichkeiten: 1,1 Mio € · Liquiditätsreichweite vor Einstieg: < 6 Wochen
Ausgangslage: Lieferantenverkürzung der Ziele, Bank reduziert Linie, zwei Gesellschafter uneinig über Kostensenkung.
Ziel: Zahlungsfähigkeit wiederherstellen, Haftungsrisiko dokumentieren, Insolvenzantrag vermeiden falls tragfähig.
1) Problemstellung
- Negative Wochenliquidität ab Woche 5 im ersten Planentwurf
- Offene Forderungen überbewertet (Alter > 90 Tage nicht bereinigt)
- Zahlungen „nach Gefühl“ an bekannte Lieferanten
- Kein schriftlicher Gesellschafterbeschluss zu Maßnahmen
2) Analysephase (7 Tage)
- 13-Wochen-Plan in drei Szenarien (Basis / Stress / Worst Case)
- Debitoren-Bereinigung: 180.000 € Forderungen als nicht kurzfristig realisierbar eingestuft
- Gläubigermatrix: 6 Hauptgläubiger = 74 % der Verbindlichkeiten
- Abstimmung mit Steuerberater sowie renommierten Kanzleien und Fachanwälten: drohende, noch nicht eingetretene Zahlungsunfähigkeit
3) Maßnahmen
Woche 1–3
- Zahlungsstopp für nicht kritische Posten, Kommunikationslinie an Top-4-Gläubiger
- Personalnebenkosten: Kurzarbeit-Option wirtschaftlich geprüft (nicht umgesetzt – Auftragslage)
- Factoring-Alternative verworfen (Konditionen unrentabel)
Woche 4–6
- Stundungsrahmen mit zwei Hauptlieferanten (12 Monate, gestaffelt)
- 420.000 € Verbindlichkeiten in Ratenplan übertragen
- Wöchentlicher Liquiditäts-Call GF + Gesellschafter + Berater
Woche 7–9
- Debitorenmahnung fokussiert: 95.000 € Zahlungseingang
- Banklinie teilweise reaktiviert (Sicherheiten Gesellschafterdarlehen rangrücktrittig)
- Dokumentation Insolvenzreife-Prüfung wöchentlich fortgeführt
4) Ergebnis nach 9 Wochen
- Positive kumulierte Liquidität im Basis-Szenario ab Woche 11
- Kein Insolvenzantrag erforderlich (Stand damals; laufende Pflicht zur Re-Prüfung)
- Gläubigereskalation bei drei Partnern eingefroren
- Gesellschafterbeschlüsse und Zahlungsprotokolle vollständig
Dieser GmbH Sanierung Praxisfall zeigt: Mit 13-Wochen-Steuerung und klarer Gläubigerlogik lässt sich bei überschaubarer Schuldensumme oft noch strukturieren – wenn Gesellschafter und GF dieselbe Datenbasis nutzen.
Vertiefung: Liquiditätssteuerung – 13-Wochen-Regel · Vor Insolvenz: Schadensbegrenzung · Krisenmanagement
Hinweis: Fall fiktiv und anonymisiert (realistische Größenordnungen, keine Identifizierbarkeit). Keine Rechtsberatung – wirtschaftliche Darstellung durch Markus Bertan, Unternehmensberater.